Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Wenn die Energie verloren geht: Das sollten Sie wissen
Portraitfoto Dr. med. Felizian Kühbeck S/W

Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharma­kologie­experte

Lesezeit: 7 min
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Icon Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
Schwindel beim Aufstehen, kalte Hände, chronische Müdigkeit – oft steckt ein zu niedriger Blutdruck dahinter. Was Hypotonie ist, wann sie behandelt werden sollte und welche Möglichkeiten es gibt, den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.

Von niedrigem Blutdruck (Hypotonie) spricht man, wenn der obere (systolische) Wert dauerhaft unter etwa 100 bis 110 mmHg und der untere (diastolische) Wert unter 60 mmHg liegt. Als Faustregel gelten bei Frauen Werte ab 100/60 mmHg als niedrig, bei Männern ab 110/60 mmHg. Entscheidend ist aber nicht die Zahl allein, sondern ob Beschwerden auftreten.

Wann ist der Blutdruck zu niedrig?

Anders als beim Bluthochdruck gibt es für niedrigen Blutdruck keine streng einheitliche Grenze. Ob die Werte „zu niedrig“ sind, hängt weniger von einer festen Zahl ab als davon, wie Sie sich fühlen: Viele Menschen leben dauerhaft mit niedrigen Werten, ohne etwas davon zu merken – für sie ist das völlig normal und sogar gefäßschonend.

Auffällig wird ein niedriger Blutdruck meist erst, wenn Beschwerden wie Schwindel, Müdigkeit oder kalte Hände und Füße hinzukommen. Dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Messwerte – und im Zweifel die Abklärung beim Arzt, um andere Ursachen auszuschließen.

Wie erkennt man den niedrigen Blutdruck (Hypotonie)?

Als niedrig gelten Werte ab etwa 100/60 mmHg (Frauen) bzw. 110/60 mmHg (Männer) – maßgeblich ist jedoch das Beschwerdebild.

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Alter Mittlere Werte Frauen

Mittlere Werte Männer Beginn Niedriger Blutdruck
119/75 129/78 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
122/78 130/84 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
130/82 135/88 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
143/86 143/89 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
153/86 150/88 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
155/83 153/83 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
Alter Mittlere Werte Frauen

Mittlere Werte Männer Beginn Niedriger Blutdruck
119/75 129/78 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
122/78 130/84 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
130/82 135/88 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
143/86 143/89 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
153/86 150/88 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger
155/83 153/83 Männer: 110/60 oder niedriger

Frauen: 100/60 oder niedriger

Niedriger Blutdruck und hoher Puls

Sie beobachten bei der Blutdruckmessung einen niedrigen Blutdruck bei erhöhtem Puls? Sie fragen sich, was das zu bedeuten hat? Die Erklärung für dieses Phänomen ist ganz einfach und kein Ausnahmefall: Ihr Herz versucht, den zu niedrigen Blutdruck durch erhöhte Aktivität auszugleichen und schlägt schneller.

Symptome für einen niedrigen Blutdruck

Ist der niedrige Blutdruck immer von Symptomen begleitet? Zu den Symptomen der Hypotonie – also dem niedrigen Blutdruck – zählen allgemeine Schwäche, Unwohlsein, Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Schlafstörungen, Schwierigkeiten beim Aufwachen, ein erhöhtes Schlafbedürfnis, stets oder häufig kalte Hände und Füße, Kopfschmerzen, Zittern, Kurzatmigkeit und das auch bei leichter körperlicher Anstrengung. Vor allem Schwindel ist ein sehr deutliches Symptom für einen niedrigen Blutdruck. Ein ebenfalls sehr deutliches Symptom ist, wenn Ihnen bei einem Wechsel Ihrer Position schwarz vor Augen wird, beispielsweise, wenn sie aus der Hocke aufstehen.
Symptome für einen niedrigen Blutdruck

Blutdruck-Test: Symptome und Risikofaktoren

Selbsttest: Ist Ihr Blutdruck zu niedrig?

Die folgenden Aussagen helfen Ihnen, einem möglichen niedrigen Blutdruck auf die Spur zu kommen. Klicken Sie an, was auf Sie zutrifft.

Ich habe öfter Schwindelgefühle oder fühle mich benommen. Insbesondere wenn ich aufstehe, wird mir ganz schummrig zumute. /
Ich brauche sehr viel Schlaf und bin oft trotzdem noch müde – morgens komme ich nur schwer aus dem Bett. /
Mein Puls oder Herzschlag gerät manchmal bei leichter Anstrengung gefühlt aus dem Rhythmus, oder ich leide bereits bei leichteren Anstrengungen unter Atemnot. /
Ich bin verhältnismäßig blass und schmal. /
Symptome wie stechende oder pulsierende Kopfschmerzen, Zittern, leichte Übelkeit, eventuell Brechreiz und allgemeine Schwäche sind mir bestens bekannt. /
Ich leide unter depressiven Verstimmungen und manchmal habe ich auch keinen Appetit. /
Haben Sie mehr als einen Punkt mit „Ja“ beantwortet? Dann sollten Sie Ihren Blutdruck überprüfen lassen. Der Gang zum Arzt ist dafür unerlässlich, denn eine Diagnose muss vollständig und richtig sein, um die für Sie passende Behandlung einzuleiten.

Niedriger Blutdruck (Hypotonie) Diagnostik und Ursachen

So wird der niedrige Blutdruck diagnostiziert

Nur wenn die Blutdruckwerte sehr stark absinken und entsprechende Symptome auftreten, wird eine ärztliche Behandlung und Diagnostik empfohlen. Die Blutdruckmessung steht bei der Untersuchung zwar im Vordergrund, gegebenenfalls sind aber weitere diagnostische Maßnahmen notwendig, um eine eventuelle andere Erkrankung auszuschließen oder zu erkennen.

Zur Basisdiagnostik der Hypotonie zählen Blutdruckmessung, Langzeitblutdruckmessung, ein EKG und Funktionstests wie der Schellong-Test. Der Schellong-Test wird zur Diagnostik einer orthostatischen Hypotonie durchgeführt. Patienten müssen auf eine Liege mindestens 10 Minuten ruhig liegen. In dieser Zeit werden der Blutdruck und Puls gemessen. Dann muss der Patient rasch aufstehen und sein Puls und der Blutdruck werden erneut gemessen. Man wiederholt diese Prozedur nach 1, 2, 3, 5, 7 und 10 Minuten.
So wird der niedrige Blutdruck diagnostiziert

Wie gefährlich ist der niedrige Blutdruck?

Wenn Sie einen niedrigen Blutdruck haben oder bei sich vermuten, sollten Sie damit sorgsam umgehen. Eine Hypotonie kann sich auch entweder akut, wie zum Beispiel durch einen Schockzustand nach einem Unfall oder auch als chronischer niedriger Blutdruck entwickeln. Schwindelgefühle und Benommenheit sind dabei Symptome, die bis zur Ohnmacht führen können. Verletzungen durch Stürze können die Folge sein. Dies macht deutlich, wie wichtig der Gang zum Arzt ist.

Ursachen für niedrigen Blutdruck

Die Ursachen für einen niedrigen Blutdruck sind vielfältig: Erbliche Veranlagung, Medikamente, Unterfunktion der Schilddrüse, Blutarmut, Herzschwäche, schwere allergische Reaktionen, ein Herzinfarkt, Grunderkrankungen wie eine Arrhythmie, ein großer Blutverlust oder auch Stress und andere Erkrankungen kommen als Ursache in Frage.

Ein häufiger Grund für einen niedrigen Blutdruck ist auch eine Diät oder eine vegane beziehungsweise vegetarische Diät. Der Mangel an Vitaminen und Mineralien kann für die Entwicklung der Hypotonie verantwortlich sein. Der Verzicht auf eisenhaltige Lebensmittel (Fleisch) führt möglicherweise gerade bei Frauen zu einer Hypotonie, da der weibliche Körper während der Periode ohnehin Blut und somit Eisen verliert.

Was tun bei Blutdruckstörungen?

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Behandlung und mehr: Das müssen Sie wissen

Behandlung von Bluthochdruck

Behandlung niedriger Blutdruck

Ein niedriger Blutdruck sollte, wie Bluthochdruck, vor dem Auftreten von Beschwerden ärztlich behandelt werden. Ein Arzt sollte abklären, welche Ursachen hinter den Symptomen stecken, um eine richtige Diagnose zu stellen und eine entsprechende Therapie zu beginnen.
Behandlung Blutdruckstörungen
Blutdruck und Schwangerschaft

Niedriger Blutdruck bei Frauen

Aufgrund ihrer Physiologie liegen bei Frauen begünstigende Faktoren für einen niedrigen Blutdruck vor. Auch während der Schwangerschaft kommt es häufig zu einem niedrigen oder zu hohen Blutdruck. Der Blutdruck bei Schwangeren sollte deshalb regelmäßig überprüft werden.
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Blutdruck im Alter

Niedriger Blutdruck im Alter

Bei Senioren kann die Hypotonie besonders gefährlich werden, da aufgrund verengter Gefäße der Transport von Blut und somit Sauerstoff beeinträchtigt sein kann. Es kann dann bei längerem Stehen und plötzlichen Aufstehen zu Schwindelgefühlen oder gar zur Ohnmacht kommen.
Blutdruck im Alter
Blutdruck messen

Blutdruckmessung

Wenn ein zu niedriger Blutdruck vorliegt, dann sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden. Dabei können Sie den Blutdruck auch selbst messen. So geht es.
Blutdruck messen
Zur Abklärung eines niedrigen oder eines hohen Blutdrucks und der richtigen Behandlung sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Hinter dem hohen Blutdruck oder niedrigem Blutdruck kann sich eine andere Grunderkrankung verstecken, die ausgeschlossen werden sollte. Eine falsche Medikation bringt ebenfalls Risiken mit sich. Sprechen Sie mit einem erfahrenen Arzt, um zu klären, welche Behandlung oder Medikation und Dosis für Sie richtig ist.

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu niedrigem Blutdruck

Sie haben Fragen? Hier finden Sie schon viele hilfreiche Antworten. Und sollten Sie darüber hinaus noch weitere Informationen wünschen, dann nehmen Sie gerne persönlich zu uns Kontakt auf.

Von niedrigem Blutdruck (Hypotonie) spricht man bei Frauen ab etwa 100/60 mmHg, bei Männern ab 110/60 mmHg. Eine starre Grenze gibt es allerdings nicht: Wie tief der Blutdruck sein darf, ist individuell unterschiedlich und hängt vor allem vom Beschwerdebild ab. Manche Menschen haben von Natur aus niedrige Werte, die für sie völlig normal und unproblematisch sind.

Quellen
  1. . The Lancet Neurology ;21:735-746.
  2. . European Journal of Neurology ;13:930-936.
  3. . Clinical Autonomic Research ;21:69-72.
  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie : .
  5. Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® : .
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