Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharmakologieexperte
Wie oft Sie Ihren Blutdruck messen sollten, hängt vor allem von Ihrem persönlichen Risiko ab: Gesunden Erwachsenen mit optimalen Werten genügt eine Kontrolle etwa alle fünf Jahre, bei hochnormalen Werten wird mindestens eine jährliche Messung empfohlen – wer bereits einen bekannten Bluthochdruck hat, misst meist morgens und abends. Eine pauschale Antwort gibt es also nicht, denn entscheidend sind Alter, Risikofaktoren und Vorerkrankungen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Messverfahren es gibt – von der Messung am Oberarm nach Riva-Rocci über die oszillometrische Messung für zuhause bis zur Pulswellen-Analyse moderner Smartwatches – und welcher Mess-Rhythmus für gesunde Menschen, für Risikogruppen und für Patienten mit bekanntem Bluthochdruck sinnvoll ist.
Bluthochdruck - die stille Gefahr
Gerade weil sich Bluthochdruck so lange unbemerkt entwickeln kann, ist es – vor allem in den genannten Risikogruppen – unabdingbar, den Blutdruck regelmäßig zu messen. Nur so lassen sich dauerhaft erhöhte Werte frühzeitig erkennen, rechtzeitig eine geeignete Behandlung einleiten und auf diese Weise Folgeschäden am Herz-Kreislauf-System sowie an anderen Organen wie Augen, Nieren oder Gehirn vermeiden. Wie oft eine Kontrolle im Einzelfall sinnvoll ist, hängt dabei stark von den individuellen Risikofaktoren und möglichen Vorerkrankungen ab – darauf gehen wir in diesem Artikel noch genauer ein. 1
Die Blutdruck-Messung
Welche Messverfahren gibt es?
Der Blutdruck wird in Millimeter-Quecksilbersäule gemessen, abgekürzt mmHg (Hg = lat. Hydrargyrum = Quecksilber).
Diese Maßeinheit stammt aus den Anfängen der Blutdruckmessung. Hierbei wurden sogenannte Manometer verwendet, um den Druck in arteriellen Blutgefäßen zu messen. Bei diesen Manometern handelte es sich um Glasröhren, die mit flüssigem Quecksilber gefüllt waren - der Anstieg des Quecksilberpegels (in Millimetern) spiegelt dabei den Druck in der Arterie wider.
Heute werden Blutdruck-Manometer ohne Quecksilber verwendet, allerdings hat sich die Messeinheit mmHg für den Blutdruck gehalten. Ein Millimeter-Quecksilbersäule entspricht dabei 0,0013 bar, also 1/1.000 des atmosphärischen Luftdrucks. 3
Die Blutdruckmessung am Oberarm nach Riva-Rocci
Dabei wird die Manschette am Oberarm angelegt und das Stethoskop in der Ellenbeuge platziert. Mittels der sogenannten Korotkow-Geräusche, die während des Ablassens der Manschette und dem dadurch zunehmendem Blutfluss hörbar werden, kann der systolische Blutdruck (Druck der Gefäße in der Anspannungsphase des Herzens) und diastolische Blutdruck (Druck der Gefäße in der Entspannungsphase des Herzens) direkt auf dem Manometer abgelesen werden.
Die oszillometrische Blutdruckmessung - ideal für zuhause
Oszillometrische Blutdruckmessgeräte gibt es mit Manschetten für den Oberarm und das Handgelenk - selten werden Messgeräte an Oberschenkel oder Finger angebracht. Geprüfte Messgeräte liefern in der Eigenmessung in aller Regel zuverlässige Messwerte, wobei die Messung am Oberarm der Messung am Handgelenk als tendenziell überlegen gilt. Es gibt jedoch einige Fehlerquellen, die zu falschen Messwerten führen können. Daher gibt es genaue Anleitungen, wie eine solche Blutdruckmessung durchgeführt werden sollte und was es zu beachten gibt.
Bluthochdruck verursacht zwar oft lange keine Beschwerden, kann aber auf Dauer das Herz-Kreislauf-System und andere Organe schädigen.
Worauf es bei der Messung mit einem oszillometrischen Blutdruckmessgerät zu achten gilt und wie Sie ein zuverlässiges Blutdruckmessgerät für zu Hause finden, lesen Sie unter Wie messe ich Blutdruck am besten?
Die Blutdruckmessungen mittels Pulswellen-Analyse
Dabei wird allerdings nicht wie bei der Blutdruckmessung nach Riva-Rocci (am Oberarm) oder oszillometrischen Blutdruckmessungen eine Manschette benutzt, um den Blutfluss im Blutgefäß zu unterbrechen, sondern es erfolgt eine sogenannte Pulswellen-Analyse. Dadurch kann der Blutdruck in der großen Hauptschlagader (Aorta) errechnet werden.
Bei der Blutdruckmessung mit Smartwatches und Fitnessarmändern sollten jedoch ein paar Dinge beachtet werden.
- Es sind regelmäßige Vergleichsmessungen mit einer „klassischen” Blutdruckmessmethode (Riva-Rocci, oszillometrische Blutdruckmessgeräte) erforderlich, um die Geräte zu kalibrieren.
- Die Messungen sind anfällig für Störfaktoren wie Bewegung oder Muskelanspannung. Daher sollten die Anweisungen des Herstellers zur korrekten Durchführung der Messung genau befolgt werden.
- Eine Anwendung als alleinige Messmethode bei Patienten mit Bluthochdruck wird aktuell (Stand Mai 2026) nicht empfohlen.
Angesichts des lange symptomfreien oder -armen Verlaufs eines erhöhten Blutdrucks und der Häufigkeit dieser Erkrankung in der Allgemeinbevölkerung könnte diese Technik daher in der Zukunft zu einer besseren Gesundheitsversorgung beitragen - vor allem da die Geräte nicht nur erhöhten Blutdruck, sondern auch Blutdruckschwankungen oder sehr niedrigen Blutdruck messen können. 2
Wie oft Blutdruck messen?
Menschen ohne Vorerkrankungen oder Risikofaktoren
Wie oft eine Kontrolle des Blutdrucks erfolgen sollte, hängt von den Gegebenheiten ab. Für gesunde Menschen ohne bekannten Bluthochdruck werden je nach Alter Einzelmessungen in verschiedenen Abständen empfohlen. Dabei gilt:
- Menschen > 18 Jahre mit optimalem Blutdruck (<120/80 mmHg) in einer einmaligen Messung sollten ihren Blutdruck mindestens alle fünf Jahre kontrollieren lassen
- Menschen > 18 Jahre mit normalem Blutdruck (<130/85 mmHg) in einer einmaligen Messung sollten mindestens alle drei Jahre eine Kontrolle des Blutdrucks erhalten
- Menschen > 18 Jahre mit hochnormalem Blutdruck (< 140/90 mmHg) in einer einmaligen Messung sollten ihren Blutdruck mindestens einmal jährlich kontrollieren lassen 3
Menschen mit bestimmten Risikofaktoren oder Vorerkrankungen
Schwangerschaft
Patienten mit Risikofaktoren für eine arterielle Hypertonie (Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, ...)
Menschen mit einem hohen Risiko für die Entwicklung eines erhöhten Blutdrucks sollte einmal jährlich das Blutdruckmessen in der (Haus-)Arztpraxis angeboten werden. Liegen die gemessenen Werte hier im Normbereich, sollte eine weitere Kontrolle in einem Jahr erfolgen. Fallen bei der Messung erhöhte Werte auf, müssen diese durch weitere Diagnostik bestätigt werden, um die Diagnose „Bluthochdruck” stellen zu können. Zu den möglichen Vorgehensweisen gehören weitere Messungen in der (Hausarzt)-Praxis, eine 24-Stunden-Blutdruckmessung oder eine Heimblutdruckmessung mit eigenem Blutdruckmessgerät..Wichtig bei dieser Gruppe an Personen ist es zudem, zwei Phänomene zu bedenken, die im Zusammenhang mit einer Blutdruckmessung auftreten können.
Der erste Effekt nennt sich Weißkittel-Hypertonie oder Weißkittel-Syndrom. Dabei handelt es sich um einen erhöhten Blutdruck, der nur bei Messungen in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus auftritt, sich beim Blutdruckmessen im häuslichen Umfeld (z.B. in einer 24-Stunden-Messung) aber nicht nachweisen lässt. Hier kann es unter Umständen zu einer Fehldiagnose kommen, wenn nur die in der Praxis gemessenen Werte berücksichtigt werden.
Quasi das „Gegenteil” ist die sogenannte maskierte Hypertonie. Dabei ist der Blutdruck beim Arzt immer wieder im Normbereich, aber im Tageszeit-Verlauf sind die Werte im Durchschnitt trotzdem zu hoch. Das Problem dabei ist, dass es oft lange dauert bis die korrekte Diagnose gestellt wird. Oft geschieht dies erst durch eine Langzeit-Blutdruckmessung oder Selbstmessungen zuhause.
Die maskierte Hypertonie betrifft dabei vor allem Menschen mit hohem Stresslevel, Männer sind häufiger betroffen als Frauen und auch relativ junge Patienten können unter dieser Art des Bluthochdrucks leiden. Durch die oft lange Zeit bis zur Diagnose steigt bei Patient-innen mit maskierter Hypertonie aber das Risiko für Folgeerkrankungen durch die anhaltende Belastung von Gefäßen und Herzmuskel. 4
Patienten mit Vorerkrankungen (Diabetes mellitus, gestörter Fettstoffwechsel, ...)
Hier gilt das gleiche wie für die Personen mit Risikofaktoren für eine arterielle Hypertonie!Menschen mit bekanntem Bluthochdruck
Bei bekanntem Bluthochdruck ist es ebenfalls wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu messen, um Blutdruckschwankungen zu dokumentieren und den Erfolg der Therapie beurteilen zu können. Dabei werden meist Selbstmessungen zuhause mit einem eigenen Blutdruckmessgerät empfohlen. Damit diese Messungen aussagekräftige Werte liefern, sollte man einige Dinge beachten. Dazu gehören vor allem die richtige Messtechnik und das passende Blutdruckmessgerät.
Genaueres dazu, wie Sie zuverlässige Messwerte bei der Blutdruckmessung erreichen und welche Geräte für das Messen zuhause geeignet sind, lesen Sie unter Wie messe ich Blutdruck am besten? und Blutdruckmessgeräte - worauf kommt es an?.
Wie oft Blutdruck-Kontrollen erforderlich sind, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Ärztin. Meist wird empfohlen, den Blutdruck zweimal täglich zu kontrollieren, morgens und abends. Dabei wird empfohlen, jeweils zwei Messungen im Abstand von 2-3 Minuten durchzuführen. Falls die Werte weit auseinander liegen, kann man noch ein drittes Mal nachmessen.
Tägliche Messungen sollten durchgeführt werden, wenn der erhöhte Blutdruck gerade neu diagnostiziert wurde oder Medikamente neu angesetzt oder verändert wurden. Oft wird auch empfohlen, sieben Tage vor einem Arztbesuch den Blutdruck jeweils morgens und abends zu messen und die Werte zum Arzt/zur Ärztin mitzunehmen, sodass diese sich einen Überblick verschaffen und gegebenenfalls die Therapie anpassen können. 5
Auch zwischendurch sollte man den Blutdruck messen, wenn Symptome auftreten, die zu hoher und zu niedriger Blutdruck auslösen kann. Welche Beschwerden das sein können, lesen Sie unter
Hoher Blutdruck
Niedriger Blutdruck
Was tun bei Blutdruckstörungen?
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Wie interpretiert man die Werte der Blutdruckmessung?
Bluthochdruck beschreibt gemessenen Blutdruckwerte, die einen bestimmten Grenzwert überschreiten. Diese Grenzwerte werden von großen Forschungs- und Fachgesellschaften festgelegt und basieren auf aktuellen Studien zur Herz-Kreislauf-Gesundheit. Daher haben sich die Werte im Laufe der Zeit immer wieder verändert und sind auch in verschiedenen Weltgegenden unter Umständen unterschiedlich.
In Deutschland basieren diese Blutdruckwerte auf den Publikationen der European Society of Cardiology (ESC) und Hypertension (ESH), der Nationalen Versorgungsleitlinie von Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Dabei wird der Blut(hoch)druck in verschiedene Kategorien eingeteilt und je nach Schweregrad behandelt. 6
Ab welchen Werten man in Deutschland von Bluthochdruck spricht und welche Blutdruckwerte welchem Schweregrad zugeordnet werden, lesen Sie unter Blutdruckwerte.
Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Blutdruck messen
Quellen
- Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) – Leitlinien.de : Hypertonie – Definition und Epidemiologie (Patientenleitlinie zur NVL Hypertonie) .
- Stergiou GS, Avolio AP, Palatini P, et al. Cuffless blood pressure measuring devices: review and statement by the European Society of Hypertension Working Group on Blood Pressure Monitoring and Cardiovascular Variability . Journal of Hypertension 2022;40:1449-1460.
- Krist AH, Davidson KW Screening for Hypertension in Adults: USPSTF Reaffirmation Recommendation Statement . JAMA 2021;325:1650-1656.
- Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® : Bluthochdruck ist keine Bagatellerkrankung – besonders tückisch: die maskierte Hypertonie .
- Parati G, Stergiou GS, Bilo G, et al. Home blood pressure monitoring: methodology, clinical relevance and practical application – a 2021 ESH position paper . Journal of Hypertension 2021;39:1742-1767.
- European Society of Hypertension : 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension . 2023.


