Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharmakologieexperte
Bluthochdruck ist kein kleines Problem. Das Tückische daran: Viele Betroffene merken lange gar nichts. Dabei stehen Herz, Kreislauf und Gefäße längst unter Druck. Hoher Blutdruck entwickelt sich oft schleichend – und bleibt häufig jahrelang unbemerkt. Genau deshalb lohnt es sich, früh auf die eigenen Werte zu achten. Und zu wissen, was man selbst tun kann. In diesem Beitrag geht es vor allem um pflanzliche Mittel und Ansätze aus der Naturheilkunde. Sie können den Blutdruck auf sanfte Weise unterstützen – als Ergänzung zu einem gesunden Alltag und, wenn nötig, zu einer ärztlichen Behandlung.
Wichtigste Erkenntnisse auf einen Blick
Pflanzliche Mittel und ein gesunder Lebensstil können einen wertvollen Beitrag zur Blutdruckregulation leisten – als Ergänzung, nicht als Ersatz für die ärztliche Behandlung. Das Wichtigste dieses Artikels vorab auf einen Blick:
- In Deutschland leben laut Gesundheitsatlas 2024 rund 20,3 Millionen Erwachsene mit diagnostizierter arterieller Hypertonie1.
- Unbehandelt steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen2.
- Lebensstiländerungen und natürliche Methoden können den Bluthochdruck nachweislich und effektiv senken.
- Wer den Blutdruck natürlich senken möchte, setzt vor allem auf Ernährung, Bewegung, Gewichtsreduktion und Stressbewältigung2.
- Wirkstoffe wie Rauwolfia serpentina, Crataegus, Cactus grandiflorus und Mistel werden traditionell in Komplexmitteln zur Blutdruckregulation eingesetzt345.
Ursachen Bluthochdruck: Lebensstil und Risikofaktoren erkennen
Die Entstehung von Bluthochdruck hat selten nur eine Ursache. Häufig wirkt eine Reihe von Risikofaktoren zusammen2:
Häufige Risikofaktoren und Ursachen sind:
- Bewegungsmangel und wenig körperliche Aktivität
- salz- und zuckerreiche Ernährung
- Übergewicht, besonders Bauchfett
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- chronischer Stress, Schlafmangel und innere Anspannung (mehr dazu: Psychische Faktoren und Blutdruck)
- erbliche Veranlagung, Vitamin-D-Mangel oder hormonelle Einflüsse
- Nieren- oder Gefäßerkrankungen, die in der Klinik oder Praxis abgeklärt werden sollten
Blutdruck natürlich senken: sofort umsetzbare Alltags-Tipps
Wer den Blutdruck senken will, muss nicht alles auf einmal ändern.
Schon kleine Alltagstipps zeigen Einfluss auf die Blutdruckwerte:
- täglich 30 Minuten zügig gehen
- Salz reduzieren und Fertigprodukte meiden
- mediterran essen, mehr Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs wählen
- Alkohol und Nikotin einschränken
- regelmäßig schlafen und Stress abbauen
- ein Blutdrucktagebuch morgens und abends führen
- Medikamente niemals ohne ärztliche Rücksprache verändern
Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Blutdruck um etwa 5 bis 9 mmHg senken, insbesondere bei Menschen mit hohen Ausgangswerten6. Nach körperlicher Belastung sinkt der Blutdruck oft tiefer als zuvor, was die Gefäße geschmeidig hält und überschüssige Stresshormone abbaut7.
Mit der richtigen Ernährung den Blutdruck natürlich senken
Eine der effektivsten Methoden zur Senkung des Bluthochdrucks ist die DASH-Diät oder die mediterrane Küche2. Eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und fettreichem Fisch ist, kann helfen, den Blutdruck zu senken, während übermäßiger Salz- und Alkoholkonsum vermieden werden sollte.
Praktisch heißt das: Beeren, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorn, Olivenöl, Rapsöl, Lachs oder Makrele häufiger einplanen.
Eine Reduzierung der täglichen Salzaufnahme um einen Teelöffel, also ca. 5 Gramm, kann den systolischen Blutdruck um etwa 5 bis 6 mmHg und den diastolischen um etwa 2 bis 3 mmHg senken, insbesondere bei salzempfindlichen Personen8. Knoblauch kann den systolischen Blutdruck bei Bluthochdruck um etwa 8 mmHg senken9.
Rote-Bete-Saft hat in Studien gezeigt, dass er den systolischen Blutdruck senken kann. Verantwortlich ist vor allem der hohe Nitratgehalt, aus dem im Körper Stickstoffmonoxid entsteht – ein Stoff, der die Blutgefäße erweitert. In einer randomisierten Studie mit Bluthochdruckpatienten sank der systolische Blutdruck nach vier Wochen mit nitratreichem Rote-Bete-Saft um durchschnittlich etwa 9 mmHg10.
Gewicht normalisieren: wenige Kilos können viel bewirken
Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für Bluthochdruck. Eine Gewichtsabnahme von im Durchschnitt vier Kilogramm kann den systolischen Blutdruck um etwa 4 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 2 mmHg senken11. Wie Sie das angehen, zeigt der Beitrag Abnehmen bei Bluthochdruck.
Setzen Sie auf Dauer statt Crash-Diät: kleinere Portionen, Wasser statt Softdrinks, ballaststoffreiche Lebensmittel und regelmäßige Bewegung.
Mehr Bewegung im Alltag: Herz-Kreislauf-System stärken
Ausdauersportarten wie Radfahren, Walking oder Schwimmen sind besonders effektiv zur Blutdrucksenkung und sollten mindestens fünfmal pro Woche für 30 Minuten praktiziert werden. Auch 10-Minuten-Einheiten helfen, wenn sie regelmäßig stattfinden.
Gute Optionen sind Treppe statt Aufzug, kurze Wege zu Fuß, Gartenarbeit oder ein Spaziergang in der Mittagspause. Bei stark erhöhten Werten gilt: den Sportbeginn vorher ärztlich besprechen.
Stress reduzieren: Nervensystem ins Gleichgewicht bringen
Dauerstress kann zu einem chronisch erhöhten Blutdruck führen, da das autonome Nervensystem, insbesondere der Sympathikus, aktiv wird und Stresshormone ausschüttet. Entspannungstechniken wie Yoga, Qigong oder Tai-Chi können helfen, den Parasympathikus zu aktivieren, was zu einer Senkung des Blutdrucks führt.
Techniken zur Stressreduktion wie Tai-Chi können den Blutdruck akut und langfristig um rund 6 mmHg systolisch senken12. Auch Waldspaziergänge tragen zur Entspannung bei und stimulieren den Parasympathikus, was sich positiv auf den Blutdruck auswirkt. Regelmäßige Tiefenentspannung ist wichtig, um den Körper herunterzufahren und den Blutdruck zu regulieren.
Natürliche Unterstützung: Pflanzliche Wirkstoffe zur Blutdruckregulation
Viele Patienten haben den Wunsch, ihren Blutdruck natürlich senken zu können. In der Naturheilkunde werden pflanzliche Wirkstoffe traditionell eingesetzt, vor allem ergänzend zur Lebensweise2.
Crataegus, also Weißdorn, zeigte in einer Meta-Analyse eine durchschnittliche systolische Blutdrucksenkung3. Rauwolfia serpentina wurde historisch intensiv untersucht4; alte Daten beschreiben deutliche Effekte, jedoch auch Nebenwirkungen, weshalb niedrige Dosierungen und ärztliche Begleitung wichtig sind. Cactus grandiflorus wird traditionell bei Herzbeschwerden, Engegefühl und Rhythmusunruhe beschrieben. Mistel wird ebenfalls im Kontext der Gefäßregulation erforscht5.
Kombiniert und ausgewogen dosiert sollen diese vier Wirkstoffe den Gefäßwiderstand senken und die Durchblutung verbessern.
Natürliche Heilmittel sind zur Vorbeugung und bei leicht erhöhtem Blutdruck geeignet, ersetzen aber keine ärztliche Therapie bei starkem Bluthochdruck.
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Antworten auf häufig gestellte Fragen zu pflanzlichen Mitteln bei Bluthochdruck
Erste Verbesserungen sind oft nach wenigen Wochen sichtbar. Die volle Wirkung hängt von Ausgangswerten, Risikofaktoren, Schlaf, Gewicht und Konsequenz ab. Messen Sie zwei- bis dreimal pro Woche in Ruhe2.
Quellen
- Arterielle Hypertonie: Verbreitung in Deutschland. Gesundheitsatlas Deutschland, Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), 2024.
- McEvoy JW, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal 2024;45(38):3912-4018.
- Szikora Z, Mátyus RO, Vargáné Szabó B, Csupor D, Tóth B. Hawthorn (Crataegus spp.) Clinically Significantly Reduces Blood Pressure in Hypertension: A Meta-Analysis of Randomized Placebo-Controlled Clinical Trials. Pharmaceuticals 2025;18(7):1027.
- Lobay D. Rauwolfia in the Treatment of Hypertension. Integrative Medicine (Encinitas) 2015;14(3):40-46.
- Olas B. The cardioprotective potential of selected species of mistletoe. Frontiers in Pharmacology 2024;15:1395658.
- Cornelissen VA, Smart NA. Exercise Training for Blood Pressure: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of the American Heart Association 2013;2:e004473.
- Carvalho Schwartz J, et al. Post-exercise hypotension. Revista Portuguesa de Cardiologia (English Edition) 2012.
- He FJ, Li J, MacGregor GA. Effect of longer-term modest salt reduction on blood pressure. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013;(4):CD004937.
- Ried K, Frank OR, Stocks NP, Fakler P, Sullivan T. Effect of garlic on blood pressure: A systematic review and meta-analysis. BMC Cardiovascular Disorders 2008;8:13.
- Kapil V, et al. Randomized Trial of Nitrate-Replete Beetroot Juice on Blood Pressure in Hypertensive Adults with ADPKD. Kidney International Reports 2024.
- Neter JE, Stam BE, Kok FJ, Grobbee DE, Geleijnse JM. Influence of Weight Reduction on Blood Pressure: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Hypertension 2003;42(5):878-884.
- Guan Y, et al. Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials of the Effects of Tai Chi on Blood Pressure. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2020;2020:8503047.
- Bluthochdruck: Patienteninformationen und Empfehlungen. Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®.


