Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharmakologieexperte
Hoher Blutdruck betrifft in Deutschland etwa jeden dritten Erwachsenen. Viele erfahren es erst beim Arzttermin – weil Beschwerden oft lange fehlen. Die Diagnose Bluthochdruck muss aber kein Schock sein: Mit gezielten Veränderungen im Alltag lassen sich die Werte verbessern.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihren Blutdruck natürlich senken können – welche Maßnahmen wirklich gut belegt sind, was pflanzliche Arzneimittel leisten, und wann Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen sollten.
Wichtigste Erkenntnisse auf einen Blick
- Regelmäßige Bewegung ist die Maßnahme, die am sehr gut mit Studien erforscht ist – Ausdauertraining senkt den systolischen Wert im Schnitt um mehrere mmHg.
- Weniger Salz (unter 6 g pro Tag) und mehr Kalium entlasten die Gefäße; die DASH-Ernährung (engl. Dietary Approaches to Stop Hypertension, ist Ernährungsform zur Senkung von Bluthochdruck) verstärkt den Effekt.
- Ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und maßvoller Koffeinkonsum stabilisieren den Blutdruck zusätzlich.
- Einige pflanzliche Wirkstoffe wie Knoblauch und Olivenblatt sind gut belegt, andere wie Weißdorn, Hibiskus und Mistel wirken unterstützend.
- Die Kombination mehrerer Maßnahmen kann den systolischen Wert um 10 bis 20 mmHg senken – bestehende Medikamente aber nie ohne ärztliche Rücksprache absetzen.
Ab wann hat man Bluthochdruck?
Als erhöht gilt ein Blutdruck ab 140 / 90 mmHg, gemessen in Ruhe an mehreren Tagen. Der erste Wert (systolisch) zeigt den Druck beim Herzschlag – der zweite (diastolisch) den Druck zwischen zwei Schlägen.
Werte zwischen 120 / 80 und 139 / 89 mmHg gelten als hochnormal. Erhöhte Blutdruckwerte sind eine ernstzunehmende Erkrankung und steigern unbehandelt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. Auch hier lohnen Veränderungen – bevor aus einem Trend ein Problem wird. Mehr dazu, wie Sie hohen Blutdruck erkennen.
Kann Bewegung den Blutdruck senken?
Regelmäßige körperliche Aktivität ist die Maßnahme mit der besten Studienlage. Eine Metaanalyse von Whelton et al. mit 54 randomisierten kontrollierten Studien zeigt eine mittlere Senkung des systolischen Werts um 3,84 mmHg durch Ausdauertraining.1 Allgemein kann regelmäßige Bewegung den Blutdruck um etwa 5 bis 9 mmHg senken; bei Hypertonikern fällt der Effekt mit bis zu 6 mmHg systolisch deutlich stärker aus.2 Entscheidend ist Regelmäßigkeit, nicht Intensität: Ausdauersport wirkt auch ohne Marathon.
- Schon 10 Minuten zügiges Spazierengehen täglich sind ein niedrigschwelliger Start und können das Risiko für Herzkrankheiten senken.
- Treppensteigen statt Aufzug, kurze Strecken zu Fuß – zählt ebenfalls.
- Schwimmen und Radfahren schonen die Gelenke und sind gut geeignet.
- Luft anhalten beim Krafttraining unbedingt vermeiden – das erhöht den Druck kurzfristig stark.
Erste Effekte zeigen sich meist nach vier bis acht Wochen. Wer längere Zeit inaktiv war, beginnt am besten langsam und steigert das Pensum schrittweise.
Darüber hinaus kann man durch Bewegung leichter abnehmen, was den Blutdruck ebenfalls positiv beeinflusst. Eine Kombination aus Ausdauersport und alltagsnaher Bewegung ist dabei besonders praktikabel. Erfahren Sie, wie stark das Körpergewicht den Blutdruck beeinflusst.
Welche Ernährung bei Bluthochdruck?
Weniger Salz, mehr Kalium
Natrium bindet Wasser im Körper und erhöht den Druck in den Gefäßen. Eine Metaanalyse von He et al.3 zeigt: Bereits eine moderate Salzreduktion senkt den systolischen Wert um durchschnittlich 4,26 mmHg. Die WHO empfiehlt unter 5 Gramm Salz pro Tag, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung maximal 6 Gramm täglich. Das ist ein gestrichener Teelöffel – und schon diese Reduktion kann den Blutdruck um etwa 6 bis 8 mmHg senken. Bitte beachten Sie: Diese Menge umfasst alle salzhaltigen Lebensmittel wie Brot, Käse, Wurst und Fertiggerichte.
Die wichtigsten Tipps:
- Fertiggerichte, Wurstwaren und Käse seltener essen – sie liefern den größten Teil des versteckten Natriums.
- Beim Kochen erst am Ende salzen und weniger als gewohnt.
- Frische Kräuter und Gewürze als Ersatz nutzen – sie reduzieren die Salzaufnahme, ohne dass Geschmack verloren geht.
Kalium wirkt dem Natrium entgegen: Es erweitert die Blutgefäße und hilft dem Körper, Natrium auszuscheiden. Gute Quellen sind Bananen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Spinat und Nüsse.
Die DASH-Diät als Orientierung
Die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) setzt auf viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Fisch und fettarme Milchprodukte sowie wenig rotes Fleisch. Eine Metaanalyse von 17 randomisierten Studien zeigt eine mittlere Senkung des systolischen Werts um 6,74 mmHg.4 Obst- und gemüsereiche Kost liefert zudem Vitamin C für die Gefäßfunktion, während Omega-3-Fettsäuren aus Fisch diese Ernährungsweise sinnvoll ergänzen. Weitere Ernährungstipps gegen Bluthochdruck finden Sie im Infomagazin.
Kann Stress Bluthochdruck verursachen?
Akuter Stress lässt den Blutdruck kurzfristig steigen – das ist normal. Problematisch wird es, wenn der Körper dauerhaft unter Anspannung bleibt. Chronischer Stress erhöht den Cortisolspiegel; dabei treiben Stresshormone den Druck zusätzlich nach oben, weil sie die Gefäße verengen.
Vor allem auf Dauer wird diese Belastung zum Problem, deshalb hilft gezielte Stressreduktion.
- Täglich zehn Minuten ruhig atmen – langsam ein, noch langsamer aus. Das aktiviert das parasympathische Nervensystem.
- Regelmäßige Pausen im Alltag einplanen, um Anspannung abzubauen.
- Spaziergänge in der Natur – nicht nur als Bewegung, auch als aktiver Ausgleich.
- Yoga oder Tai Chi – sanfte Methoden, die den Blutdruck senken können.
- Feste Zeiten ohne Bildschirm und Erreichbarkeit einplanen.
- Gesprächsangebote nutzen, wenn Belastungen nicht allein bewältigt werden können.
Mehr dazu, wie psychische Faktoren den Blutdruck beeinflussen.
Schlaf, Alkohol und Koffein bei Bluthochdruck
Bluthochdruck bei Schlafmangel
Wer regelmäßig weniger als sechs Stunden schläft, hat ein messbar höheres Risiko für Bluthochdruck. Eine Metaanalyse mit über einer Million Teilnehmenden zeigt: Kurze Schlafdauer ist signifikant mit einem erhöhten Hypertonie-Risiko verbunden (HR: 1,07).5 Sieben bis acht Stunden sind kein Luxus – sie sind physiologisch notwendig.
Bluthochdruck und Alkohol: Weniger ist mehr
Schon geringer Alkoholkonsum erhöht den Blutdruck messbar. Bereits 10 Gramm Alkohol täglich können den Blutdruck um 4 bis 7 mmHg erhöhen; über 20 Gramm täglich steigt er weiter an. Wer mehr als ein Glas Wein täglich trinkt, kann allein durch Reduktion einige mmHg gewinnen. Komplettverzicht ist dabei kein Muss – aber Maß halten zahlt sich aus.
Koffein bei Bluthochdruck: Individuell verschieden
Kaffee erhöht den Blutdruck kurzfristig. Wer empfindlich reagiert, bemerkt das selbst. Zwei Tassen täglich sind für die meisten Menschen unbedenklich. Mehr als vier Tassen – besonders am Nachmittag – sollten Sie kritisch beobachten.
Welches pflanzliche Mittel hilft gegen Bluthochdruck?
In Apotheken und Reformhäusern finden sich viele Präparate, die bei Bluthochdruck werben. Der Markt ist groß – die Studienlage zu solchen pflanzlichen und naturheilkundlichen Verfahren sehr unterschiedlich. Einige pflanzliche Wirkstoffe sind tatsächlich gut untersucht. Auch einzelne Lebensmittel wie Rote-Bete-Saft wurden untersucht und können den systolischen Blutdruck um etwa 5 mmHg senken. Andere beruhen vor allem auf der Tradition der Naturheilkunde.
Evidenz: Gut belegt · Knoblauch (Allium sativum)
Knoblauchextrakt gehört zu den am besten untersuchten pflanzlichen Mitteln. Eine Metaanalyse mit 17 randomisierten Studien zeigt eine mittlere Senkung des systolischen Werts um 4,6 mmHg. Standardisierte Extrakte wirken zuverlässiger als frischer Knoblauch. Mögliche Wechselwirkung mit Antikoagulanzien (z. B. Phenprocoumon) beachten.6
Evidenz: Gut belegt · Olivenblattextrakt (Olea europaea)
Der Wirkstoff Oleuropein hemmt Kalziumkanäle und wirkt gefäßerweiternd. In einer randomisierten Studie senkte Olivenblattextrakt (500 mg/Tag) den systolischen Wert um 11,5 mmHg – vergleichbar mit dem ACE-Hemmer Captopril. Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch auf wenige Studien begrenzt.7
Evidenz: Moderat belegt · Weißdorn (Crataegus monogyna / laevigata)
Weißdorn-Extrakte verbessern die koronare Durchblutung und können die Herzfunktion unterstützen. Ein direkter blutdrucksenkender Effekt ist schwächer belegt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit kommt zu einem positiven, aber moderaten Befund. Gut verträglich, keine relevanten Wechselwirkungen bei empfohlener Dosierung.8
Evidenz: Moderat belegt · Hibiskus (Hibiscus sabdariffa)
Eine Metaanalyse mit fünf randomisierten Studien zeigt eine Senkung des systolischen Werts um durchschnittlich 7,6 mmHg. Die Studienqualität variiert stark, die Fallzahlen sind gering. Als Ergänzung zur Ernährung unbedenklich – als eigenständige Therapie nicht ausreichend belegt.9
Evidenz: Gut belegt · Rauwolfia (Rauwolfia serpentina)
Die Indische Schlangenwurzel ist eine der ältesten Heilpflanzen Asiens und enthält das Alkaloid Reserpin. Reserpin blockiert den vesikulären Monoamintransporter (VMAT2) und senkt dadurch die Konzentration von Noradrenalin und Adrenalin – der Blutdruck sinkt, das Nervensystem wird beruhigt. Eine klinische Prüfung an 134 Hypertoniepatienten zeigte bei 63 % der Behandelten eine statistisch gesicherte Blutdrucksenkung; die Wirksamkeit ist pharmakologisch gut belegt.10
Evidenz: Traditionell genutzt · Cactus grandiflorus (Königin der Nacht) (Selenicereus grandiflorus)
Die Königin der Nacht ist ein nachtblühender Kaktus aus Mexiko und der Karibik, der in der Naturheilkunde seit dem 19. Jahrhundert als Herztonikum eingesetzt wird. Die Pflanze enthält biogene Amine (Methyltyramin, Phenylethylamin) sowie Flavonoide, die auf den Herzmuskel und das vegetative Nervensystem wirken sollen.11 Traditionelle Anwendungsgebiete sind funktionelle Herzrhythmusstörungen, Herzenge (Stenokardie), Bluthochdruck mit Unruhe sowie Symptome der Herzinsuffizienz.12
Evidenz: Traditionell genutzt · Mistel (Viscum album)
Die Mistel ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der in der europäischen Naturheilkunde seit Langem bei Herz-Kreislauf-Beschwerden und zur Unterstützung bei Bluthochdruck verwendet wird. Zu ihren Inhaltsstoffen zählen unter anderem Lektine, Viscotoxine und Flavonoide. Ein aktueller Übersichtsartikel fasst das kardioprotektive Potenzial verschiedener Mistelarten – besonders Viscum album – zusammen und beschreibt gefäßentspannende (vasorelaxierende) Effekte, die zur Blutdruckregulation beitragen können. Mistel wird als ergänzende Komponente – etwa in pflanzlichen Kombinationspräparaten – eingesetzt und nicht als alleinige Therapie bei Bluthochdruck.13
Was Sie beim Kauf beachten sollten
- Achten Sie auf standardisierte Extrakte – nur dann ist der Wirkstoffgehalt zuverlässig.
- Als Nahrungsergänzungsmittel verkaufte Produkte unterliegen geringeren Anforderungen an den Wirksamkeitsnachweis als zugelassene Arzneimittel.
- Wechselwirkungen mit Blutdruckmitteln oder Blutverdünnern sind möglich. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt vorab.
- Natürlich bedeutet nicht automatisch sicher oder wirksam. Stimmen Sie die Wahl solcher Präparate immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Was tun bei Blutdruckstörungen?
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Was Sie realistisch erwarten können
Lebensstiländerungen wirken – aber nicht über Nacht. Vor allem die Kombination mehrerer Maßnahmen kann den systolischen Wert bei konsequenter Umsetzung um 10 bis 20 mmHg senken. Das ist klinisch bedeutsam.
Wichtig ist eine ehrliche Erwartungshaltung: Auch wenn der Wunsch nach schneller Wirkung verständlich ist, braucht es meist Wochen bis Monate, bis Veränderungen stabil messbar sind. Ein Blutdrucktagebuch hilft, Fortschritte zu erkennen – und motiviert, weiterzumachen.
Wichtig: Bestehende Medikamente niemals ohne Rücksprache absetzen. Bei Werten über 160 / 100 mmHg oder bei plötzlichen starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Herzrasen oder starkem Schwitzen suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.
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Homviotensin® ist ein apothekenpflichtiges, rezeptfreies Arzneimittel auf pflanzlicher Basis, das zur Unterstützung der Blutdruckregulation bei funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden eingesetzt wird.
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Antworten auf häufig gestellte Fragen zu natürlichen Mitteln gegen Bluthochdruck
Quellen
Lebensstil
- Whelton S. P., et al. Effect of aerobic exercise on blood pressure: a meta-analysis of randomized, controlled trials. Annals of Internal Medicine 2002;136(7):493–503.
- Kelley G. A., Kelley K. S. Progressive resistance exercise and resting blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. Hypertension 2000;35(3):838–843.
- He F. J., Li J., MacGregor G. A. Effect of longer-term modest salt reduction on blood pressure. BMJ 2013;346:f1325.
- Saneei P., et al. Influence of DASH diet on blood pressure: a systematic review and meta-analysis on randomized controlled trials. Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases 2014;24(12):1253–1261.
- Li X., et al. Association between sleep duration and hypertension incidence: systematic review and meta-analysis of cohort studies. PLOS One 2024;19(7):e0307120.
Pflanzliche Arzneimittel
- Rohner A., et al. Systematic review and meta-analysis on the effects of garlic preparations on blood pressure. Journal of Nutrition 2015;145(6):1459–1461.
- Susalit E., et al. Olive (Olea europaea) leaf extract effective in patients with stage-1 hypertension: comparison with Captopril. Phytomedicine 2011;18(4):251–258.
- Pittler M. H., Guo R., Ernst E. Hawthorn extract for treating chronic heart failure. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008;(1):CD005312.
- Serban C., et al. Effect of sour tea (Hibiscus sabdariffa L.) on arterial hypertension: a systematic review and meta-analysis. Journal of Hypertension 2015;33(6):1119–1127.
- Kreitmair H. Über die Wirksamkeit und die Wirkungsweise der Alkaloide aus Rauwolfia serpentina bei chronischer, arterieller Hypertonie. Klinische Wochenschrift 1953;31(21-22):521–525.
- Wagner H., Grevel J. New cardioactive drugs II – Detection and isolation of cardiotonic amines from Selenicereus grandiflorus with ion-pair HPLC. Planta Medica 1982;44(1):36–40.
- Haque N., et al. Cactus grandiflorus: a homeopathic remedy for cardiac ailment. Indian Journal of Pharmacy and Pharmacology 2015;2(1):74–80.
- Olas B. The cardioprotective potential of selected species of mistletoe. Frontiers in Pharmacology 2024.


