Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharmakologieexperte
Rauwolfia serpentina oder Schlangenwurzel ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. Schon seit Jahrhunderten wird sie bei Bluthochdruck eingesetzt. Verantwortlich für ihre blutdrucksenkende Wirkung ist vor allem das enthaltene Alkaloid Reserpin. Doch was steckt hinter der Pflanze und wie wirkt Rauwolfia auf den Blutdruck? Wir geben in diesem Artikel Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was bewirkt Rauwolfia?
Rauwolfia serpentina enthält verschiedene Wirkstoffe. Diese beeinflussen das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem. Besonders wichtig ist das Alkaloid Reserpin. Es verlangsamt den Herzschlag und reduziert die Stressreaktion im Körper. Dadurch kann der Blutdruck gesenkt werden.1
Was ist Rauwolfia serpentina (Schlangenwurzel)?
Rauwolfia ist eine immergrüne Heilpflanze, ein Baum oder Strauch aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Sie wächst vor allem in Indien, Sri Lanka und Java. Die Pflanze ist unter verschiedenen Namen bekannt, darunter Schlangenwurzel, Schlangenholz oder Teufelspfeffer; medizinisch werden vor allem die Wurzeln genutzt. Der botanische Name verweist zudem auf Leonhard Rauwolf.
Mehr über die Eigenschaften der Schlangenwurzel erfahren Sie in diesem Artikel.
Welche Inhaltsstoffe stecken in der Schlangenwurzel?
Die Schlangenwurzel (Rauwolfia) enthält mehr als 50 verschiedene Indolalkaloide. Zu den wichtigsten zählen Reserpin, Ajmalin und Rescinnamin. Reserpin ist das bekannteste Alkaloid und für seine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem bekannt. Es wurde früher vor allem zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt und kann nervöse Unruhe lindern. In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Rauwolfia außerdem gelegentlich bei Kopfschmerzen erwähnt.
Ajmalin wird bis heute zur Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Ajmalin wirkt als Antiarrhythmikum, indem es die Erregungsleitung im Herzen stabilisiert und so einen gleichmäßigen Herzrhythmus unterstützt.
Durch diese Inhaltsstoffe wirkt die Schlangenwurzel sowohl auf das Herz-Kreislauf-System als auch auf das Nervensystem.2
Wie wirkt Rauwolfia auf den Blutdruck?
Rauwolfia kann den Blutdruck senken, indem es die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe des Nervensystems (z. B. Noradrenalin) verringert. Dadurch wird das Herz weniger stark angeregt und die Blutgefäße entspannen sich. Das Herz schlägt langsamer, der Widerstand in den Gefäßen nimmt ab und der Blutdruck sinkt. Somit entsteht ein Doppeleffekt: eine gleichzeitige Blutdrucksenkung und Beruhigung. Gerade diese Kombination kann besonders bei stressbedingtem Bluthochdruck hilfreich sein.3
Interessieren Sie sich für die Behandlungsoptionen bei Blutdruckstörungen? Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema.
Reserpin: Eine spannende medizinische Geschichte
Reserpin war lange Zeit ein vielversprechender Wirkstoff und Medikament der älteren Blutdrucktherapie gegen Bluthochdruck und psychische Erkrankungen. Allerdings interagiert es mit Neurotransmittern und kann bei höheren (!) Dosierungen Nebenwirkungen verursachen, darunter Müdigkeit, depressive Verstimmungen und verlangsamter Herzschlag. Achtung: Diese Nebenwirkungen betreffen nur hochdosierte Präparate, die heutzutage nicht mehr verbreitet verordnet werden.
Bis heute wird Reserpin in einigen Fällen weiterhin eingesetzt, insbesondere wenn andere Medikamente nicht vertragen oder von Patienten nicht gewünscht werden. Bekannt ist auch, dass Mahatma Gandhi nach anstrengenden und überreizten Tagen einen Tee aus Rauwolfia trank, um sich zu entspannen.4
Mehr über die Heilkraft und Anwendung von diesem Wirkstoff im Artikel Reserpinum.
Rauwolfia in der Naturheilkunde und Homöopathie
In der ayurvedischen Medizin wird Rauwolfia seit Jahrhunderten als Heilmittel gegen Bluthochdruck, innere Unruhe, Stress und Schlafstörungen verwendet; in der traditionellen Naturheilkunde wird auch ihre Heilkraft unter anderem bei nervöser Belastung betont. Dort ist die Pflanze unter dem Namen „Sarpagandha“ bekannt. Auch in der Homöopathie findet Rauwolfia Verwendung.
Wichtig ist die Unterscheidung: Rauwolfia D3 (homöopathisch) ist nicht dasselbe wie Reserpin. Reserpin ist ein pharmakologisch wirksamer Blutdrucksenker mit bekannten Nebenwirkungen, während Rauwolfia D3 aufgrund seiner Verdünnung deutlich geringere Mengen des Ausgangsstoffs enthält. Gerade diese ausgewogene Dosierung macht die Rauwolfia-D3-Präparate gleichzeitig wirksam und nebenwirkungsarm.
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Was sagt die Studienlage?
Studien aus den 1950er Jahren zeigten, dass Reserpin-haltige Präparate den systolischen Blutdruck um 10–30 mmHg senken können. Ein Cochrane-Review von 2016 bestätigte eine durchschnittliche Senkung um etwa 7,9 mmHg bei Reserpin-Monotherapie. Zudem zeigten weitere Untersuchungen, dass Reserpin insbesondere bei Patienten mit stressbedingtem Bluthochdruck wirksam ist und eine nachhaltige Blutdrucksenkung bewirken kann. Positive Effekte auf die Herzfrequenz und die Reduktion von Angstzuständen wurden ebenfalls dokumentiert. In der ayurvedischen Medizin wird Rauwolfia seit Jahrhunderten erfolgreich zur Behandlung von Bluthochdruck und nervösen Beschwerden eingesetzt. Diese traditionellen Anwendungen werden durch moderne Studien zunehmend bestätigt und rücken Rauwolfia als ergänzenden Wirkstoff in den Vordergrund.3, 4, 2
Rauwolfia in Homviotensin®
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Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Rauwolfia und Bluthochdruck
Quellen
- Lobay D. Rauwolfia in the Treatment of Hypertension. Integrative Medicine: A Clinician's Journal 2015;14(3).
- Rauvolfia serpentina – Pharmacological Review. Rolf Schlegel, ScienceDirect, 2016.
- Shamon SD, Pérez MI. Blood pressure-lowering efficacy of reserpine for primary hypertension. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, CD007655.
- Reserpine Side Effects. Drugs.com.


