Wechseljahre und Ihr Blutdruck

Zeit der Veränderungen: Mit etwas Achtsamkeit gut zu bewältigen.
Portraifoto Dr. med. Felizian Kühbeck S/W

Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharma­kologie­experte

Icon Wechseljahre und Ihr Blutdruck
Wussten Sie, dass Frauen ab 60 häufiger unter Bluthochdruck leiden als Männer? Den Grundstein legen oft die Wechseljahre – wenn hormonelle Umstellungen den Blutdruck aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Wechseljahre sind eine Zeit der Veränderung. Hormonelle Umstellungen und andere körperliche Veränderungen treten während der Wechseljahre sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Häufig fallen die Wechseljahre mit dem Beginn von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit dem Risiko für eine Blutdruckstörung, wie Bluthochdruck oder zu niedrigen Blutdruck zusammen. Eine Blutdruckstörung kann ein temporäres Problem darstellen - mit vorübergehendem Bluthochdruck oder zu niedrigem Blutdruck oder - mit anderen Worten - als Blutdruckschwankungen. Diese sollten Sie, sofern sie immer wieder auftreten, mit Ihrem Arzt besprechen.

Blutdruckstörungen während der Wechseljahre: Bluthochdruck oder zu niedriger Blutdruck

Während der Wechseljahre kann es sowohl zu einem niedrigen als auch zu einem hohen Blutdruck als auch zu Blutdruckschwankungen kommen. Der hohe Blutdruck ist aber wesentlich häufiger. Beide Erkrankungen können Ihre Lebensqualität einschränken oder auch schwerwiegendere Folgen mit sich bringen. Regelmäßige Messungen des Blutdrucks sind ab den Wechseljahren sinnvoll. Ein achtsamer Umgang mit sich selbst in dieser Zeit hilft, mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und wenn nötig, zusätzlich mit einigen Änderungen im Lebensstil eine positive Wirkung zu erreichen.
Blutdruckstörungen während der Wechseljahre

Bluthochdruck während der Wechseljahre

Im Verlauf unseres Lebens steigt der Blutdruck üblicherweise. Ein besonders kritischer Anstieg aber verläuft zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr - also während des Beginns der Wechseljahre. Das gilt für Frauen genauso wie für Männer. Die Symptome des Bluthochdrucks werden in dieser Lebensphase der Umstellung gerade bei Frauen häufig falsch interpretiert und als Wechseljahresbeschwerden eingeordnet, während sich unter Umständen eine gesundheitsgefährdende Blutdrucksituation entwickelt.

Oft wird einfach davon ausgegangen, dass Frauen weniger anfällig für Bluthochdruck sind als Männer. Dies trifft allerdings nur zum Teil zu. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) 1 demonstrieren, wie sich die Blutdruckwerte bei Erwachsenen nach Alter und Geschlecht entwickeln. Die folgende Statistik zeigt die Häufigkeit des Auftretens des Bluthochdrucks in Abhängigkeit vom Alter und bestätigt das erhöhte Risiko ab den Wechseljahren:

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Lebensalter 18 - 29 Jahre

30 - 39 Jahre 40 - 49 Jahre

50 - 59 Jahre

60 - 69 Jahre

70 - 79 Jahre
1,3 % 4,8 % 17,2 % 34,6 % 60,7 % 74,7 %
8,4 % 11,4 % 26,2 % 41,7 % 58,8 % 73,6 %
Alter Normalwerte systolisch (mmHg)

Normalwerte diastolisch (mmHg) Diese Faktoren gefährden einen normalen Blutdruck
70 - 80 35 Angeborene Erkrankungen wie Herzfehler oder auch Verengungen in Blutgefäßen (Stenosen) können unter anderem ein Grund für Blutdruckstörungen in sehr jungen Jahren sein.
Blutdruck bei Kindern
95 - 101 60 - 74 Ein erhöhter Blutdruck kann auch bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorkommen. Übergewicht, Bewegungsmangel oder falsche Ernährung sind hier oft aber nicht nur die Gründe. Auch ein niedriger Blutdruck ist möglich.
Blutdruck bei Jugendlichen
120 - 129 80 - 84 Das Risiko für einen hohen Blutdruck nimmt mit dem Alter zu. Oft ist er mit einem ungesunden Lebensstil verbunden. Andere Risikofaktoren sind zudem Erkrankungen, wie Diabetes. Flüssigkeitsmangel, verschiedene Medikamente und andere Faktoren können einen zu niedrigen Blutdruck verursachen. Auch eine Schwangerschaft kann Ihre Blutdruckwerte beeinflussen.
Blutdruck und Schwangerschaft
120 - 129 80 - 84 Während der Wechseljahre gibt es bei Männern wie bei Frauen oft einen Blutdruckanstieg. Insbesondere bei Frauen werden die Symptome oft falsch interpretiert – als Wechseljahresbeschwerden. Regelmäßige Checks sind ratsam. In einigen Fällen kommt es auch zu einem zu niedrigen Blutdruck.
Blutdruck und Wechseljahre
<140 80 - 84 Der Blutdruck bei älteren Menschen ist in der Regel höher als bei jüngeren. Der zu hohe Blutdruck im Alter erhöht die Mortalität um das 2- bis 5-fache, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – um das 2-3-fache. Ein plötzlicher und massiver Blutdruckanstieg bei Senioren ist besonders gefährlich, da er die Ursache für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt sein kann. Seltener dagegen ist der niedrige Blutdruck im Alter – er kommt aber ebenfalls vor.
Blutdruck im Alter
Deutlich wird, dass der Blutdruck im Alter bei beiden Geschlechtern steigen kann. Mit zunehmendem Alter jedoch holen Frauen die Männer ein und überholen sie in der Statistik sogar ab dem 60. Lebensjahr. Bei Anzeichen für einen erhöhten Blutdruck ist es für beide Geschlechter ratsam, die möglichen Auslöser abklären zu lassen.
Hoher Blutdruck

Niedriger Blutdruck während der Wechseljahre

Obwohl der beginnende Bluthochdruck während der Wechseljahre deutlich häufiger vorkommt, gibt es auch Menschen, die von einem besonders niedrigen Blutdruck betroffen sind. Etwas niedrige Werte sind kein Problem, solange diese Ihre Lebensqualität nicht negativ beeinflussen oder zu Symptomen führen. Häufige Symptome wie Müdigkeit, hohes Schlafbedürfnis, allgemeine Schwäche, Probleme beim Aufstehen, oft kalte Hände und Füße und vor allem Schwindel bis hin zum Schwarzwerden vor den Augen können eine Belastung und Einschränkung bedeuten. Eine Abklärung durch Ihren Arzt beim Auftreten dieser oder ähnlicher Beschwerden ist der richtige Schritt.
Niedriger Blutdruck

Blutdruckschwankungen während der Wechseljahre

Auch Blutdruckschwankungen können bei Männern wie Frauen in den Wechseljahren auftreten. Während der Bluthochdruck und auch der niedrige Blutdruck einen dauerhaften Zustand beschreiben, treten Blutdruckschwankungen nur temporär mit niedrigem oder erhöhten Blutdruckwerten auf. Bemerken Sie Symptome eines niedrigen oder eines erhöhten Blutdrucks – auch nur vereinzelt – dann ist es Zeit für einen Besuch beim Arzt.
Blutdruckschwankungen

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Wechseljahre (PADAM) beim Mann

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Auch Männer durchleben Wechseljahre. Bei Männern werden die Wechseljahre durch einen sinkenden Testosteronspiegel (männliches Sexualhormon) hervorgerufen und können ab etwa dem 40. Lebensjahr beginnen. Jedoch durchleben Männer die Wechseljahre anders als Frauen.

Auch Männer erleben hormonelle Veränderungen. Der Testosteronspiegel sinkt im Laufe der Jahre langsam, aber stetig ab – der Körper stellt sich allmählich darauf ein. Beschwerden bei Männern können Müdigkeit, Schweißausbrüche, Schwindelanfälle, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, allgemeine Schwäche, Libidoverlust oder auch ein beginnender Haarausfall sein. Die Symptomatik ist dabei dem beginnenden Bluthochdruck der Frauen ähnlich.
Wechseljahre beim Mann

Das Herz-Kreislauf-System im Takt

Es gibt mehrere Gründe, weshalb der Blutdruck gerade in den Wechseljahren ansteigt:

  • Während dieser Lebensperiode sinkt der Östrogenspiegel. Östrogen ist neben der Fortpflanzungsfunktion für die Elastizität der Haut und der Blutgefäße verantwortlich. Wenn Gefäße Ihre Elastizität verlieren, kann es zu einem erhöhten Blutdruck kommen. Zu viel sitzen, zu wenig trinken und auch bestimmte Krankheiten können zudem die Ursache sein, dass Blut dickflüssiger wird und damit den Bluthochdruck begünstigen.
  • Während der Wechseljahre kommt es zu hormonellen Veränderungen, die sich auch auf die emotionale Stabilität auswirken können. Außerdem stellt das Alter zwischen 40 und 50 oft auch eine Herausforderung im Leben dar – es kommt häufig zu Veränderungen im persönlichen Umfeld und/oder einer beruflichen Neuorientierung. Die Wechseljahre sind deshalb für zahlreiche Frauen auch psychisch belastend: Nervosität, Wut, Ängste, Anspannung oder andere negative Emotionen sind nur allzu häufige Begleiter dieser Lebensphase. Kommt es zu stärkeren psychischen Belastungen, dann provoziert dies die Freisetzung von Noradrenalin, das den Blutdruck ebenfalls steigert.
  • Mit den Wechseljahren kommt es oft auch zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels. Das kann eine Fettansammlung im Körper verursachen oder auch Ablagerungen von Cholesterin und anderen Fetten an den Gefäßwänden. Dieser Vorgang verringert die normale Blutzirkulation und erhöht den Blutdruck.
  • Typisch für die Wechseljahre bei Frauen sind Hitzewallungen, die durch plötzliches Hitzegefühl und Schwitzen sowie auch Schlafstörungen gekennzeichnet sind und ebenfalls zu schwankendem Blutdruck führen können.

Wenn Sie Beschwerden wie plötzliches Schwitzen, Hitzewallungen, Herzklopfen, einen geröteten Kopf, Schlafstörungen und ähnliches als Frau während der Wechseljahre feststellen, empfiehlt sich der Besuch beim Arzt zur Abklärung. Jüngste Studien bestätigen, „dass sowohl die Menopause als auch der Bluthochdruck gemeinsame Faktoren wie BMI (Body-Mass-Index), Ernährung, Rauchen und sozioökonomische Verhältnisse haben“

Quelle: The uncertain effect of menopause on blood pressure. Valérie Tikhonoff, Edoardo Casiglia, Federica Gasparotti, Paolo Spinella, J Hum Hypertens. 2019 Jun; 33(6):421-428. doi: 10.1038/s41371-019-0194-y. Epub 2019 Mar 21

Aktiv gegen hohen Blutdruck in den Wechseljahren

Die Wechseljahre stellen eine Umbruchphase dar. Um Ihre Gesundheit nicht zu gefährden, sollten Sie diesem Umbruch und sich selbst Aufmerksamkeit schenken. Nehmen Sie sich Zeit, Ihren Lebensstil zu überdenken. Sie werden sehen: Wer aktiv gegen hohen Blutdruck und andere Beschwerden angeht, ist bald fit wie ein Turnschuh. Manche Frauen und auch Männer sind mit 45 oder 50 deutlich fitter als mancher 20-Jährige. Übertreiben müssen Sie es dabei nicht. Bewegung und Ernährung sind zwar wichtige Eckpfeiler, zum Hochleistungssportler müssen Sie aber nicht werden und eine gesunde Ernährung kann eine ganz neue Welt erschließen.

1 Bewegung hilft gegen hohen Blutdruck

Tagsüber nutzen Sie einfach unterschiedliche Gelegenheit für Bewegung: Treppensteigen, anstatt den Aufzug zu nehmen, Beinübungen unter dem Schreibtisch im Büro, Spaziergänge sind ebenfalls hilfreich und unterstützen Ihre Gesundheit. Das tut Ihrem Kreislauf, den Gelenken und der Psyche gut. Nehmen Sie sich zur Motivation gegebenenfalls kleinere Aufgaben vor, die Ihnen Freude bereiten wie etwa der Besuch eines besonders schönen Parks oder Gartens, die Erkundung nahe gelegener Wälder, ein Blick auf schöne alte Dörfer in Ihrer Nähe oder buchen Sie einen Urlaub, der leichte Bewegung mit sich bringt.
Bewegung hilft gegen hohen Blutdruck

2 Bluthochdruck durch richtige Ernährung vermeiden

Auch die Ernährung spielt beim Bluthochdruck eine wichtige Rolle. Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke, Fertiggerichte, Wurst, fertige Dressings, Soßen und Snackriegel und auch Fast Food. Vorteilhaft ist die Mittelmeerküche mit viel Obst, Gemüse und Fisch. Bevorzugen Sie Obst und Gemüse, selbstgemachte Dressings und frische Kräuter. Viel Salz und Zucker tun Ihrer Ernährung ebenfalls nicht gut. Es kommt außerdem auf die Zubereitung an. Es gibt zahlreiche Lebensmittel, Rezepte und Zubereitungsarten, die sehr gut schmecken und Ihnen den Start in eine gesündere Ernährung erleichtern.
Natürliche Mittel gegen den Bluthochdruck
Bluthochdruck durch richtige Ernährung vermeiden

3 Zigaretten- und Alkoholkonsum einschränken oder ganz beenden

Das „sparsamere“ Umgehen mit den beiden Noxen ist definitiv für beide Geschlechter wichtig. Frauen sind aber noch empfindlicher gegenüber Nikotin und Alkohol, weil sie anfälliger für deren toxische Wirkung sind. Daher ist die Nikotinentwöhnung eine starke Unterstützung für den Körper. Ein Glas Wein oder ein Bier am Tag ist aber durchaus noch in Ordnung. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt: Frauen höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag – etwa ein kleines Bier (0,3 Liter) oder ein kleines Glas Wein (0,125 Liter).
Zigaretten und Alkoholkonsum einschränken oder ganz beenden

4 Positive Lebensgestaltung

Und versuchen Sie so oft wie möglich, Ihr Leben mit positiven Emotionen zu füllen: Finden Sie heraus, woran Sie Freude haben. Ist es ein Spaziergang, ein Kinoabend, ein Besuch in einem Museum, eine Städteerkundungstour, Treffen mit anderen Menschen oder etwas Anderes? Legen Sie sich gegebenenfalls auch ein neues Hobby zu – Fotografie, Tanzen, Gärtnern, Minigolf spielen, Meditation, Handarbeiten, Nähen, Malen, Töpfern, Wandern, Geocaching oder auch ein Ehrenamt verschaffen positive Erlebnisse und Ausgleich zu einem womöglich stressigen Arbeitsalltag oder zu Belastungen im familiären Umfeld. Nehmen Sie sich täglich ein wenig Zeit, um Pläne für positive Unternehmungen zu machen oder lassen Sie ein positives Erlebnis noch einmal in Ihrer Erinnerung aufleben.
Positive Lebensgestaltung

1 The uncertain effect of menopause on blood pressure. Valérie Tikhonoff, Edoardo Casiglia, Federica Gasparotti, Paolo Spinella, J Hum Hypertens. 2019 Jun; 33(6):421-428. doi: 10.1038/s41371-019-0194-y. Epub 2019 Mar 21

Zur Abklärung eines niedrigen oder eines hohen Blutdrucks und der richtigen Behandlung sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Hinter dem hohen Blutdruck oder niedrigem Blutdruck kann sich eine andere Grunderkrankung verstecken, die ausgeschlossen werden sollte. Eine falsche Medikation bringt ebenfalls Risiken mit sich. Sprechen Sie mit einem erfahrenen Arzt, um zu klären, welche Behandlung oder Medikation und Dosis für Sie richtig ist.

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Blutdruck in den Wechseljahren

Sie haben Fragen? Hier finden Sie schon viele hilfreiche Antworten. Und sollten Sie darüber hinaus noch weitere Informationen wünschen, dann nehmen Sie gerne persönlich zu uns Kontakt auf.
In den Wechseljahren kann der Blutdruck aufgrund hormoneller Veränderungen leicht ansteigen. Ein normaler Blutdruck liegt in der Regel bei etwa 120 / 80 mmHg, Werte bis 140 / 90 mmHg gelten noch als akzeptabel. Es ist wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren und bei Abweichungen ärztlichen Rat einzuholen.

Mehr Informationen zu Tipps in den Wechseljahren
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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

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