Was hilft bei Blutdruckstörungen? Alle Behandlungsoptionen erklärt

Erfolgreich gegen hohen Blutdruck, niedrigen Blutdruck und Blutdruckschwankungen
Portraitfoto Dr. med. Felizian Kühbeck S/W

Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharma­kologie­experte

Lesezeit: 11 min
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Icon Was hilft bei Blutdruckstörungen? Alle Behandlungsoptionen erklärt
Bei Blutdruckstörungen gibt es viele Wege: von klassischen Medikamenten über pflanzliche Arzneimittel bis hin zu Lebensstilanpassungen. Welche Option für wen passt.
Im Kampf gegen einen hohen Blutdruck, gegen niedrigen Blutdruck und auch gegen Blutdruckstörungen kommen im Wesentlichen drei unterschiedliche Optionen in Frage: Die Behandlung mit chemisch-synthetischen Medikamenten wie Beta-Blocker oder Diuretika und Sympathomimetika. Insbesondere werden diese eingesetzt, wenn die Blutdruckstörung sehr stark ausgeprägt ist. Ergänzend oder alternativ bieten sich natürliche Mittel, Hausmittel und pflanzliche Medikamente an. Viele natürliche Arzneimittel haben darüber hinaus eine vorbeugende Wirkung.

Welche Behandlung kann wann helfen?

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob der Blutdruck zu hoch oder zu niedrig ist und wie ausgeprägt die Werte sind. Grundsätzlich stehen drei Wege zur Verfügung, die sich häufig ergänzen: Medikamente, pflanzliche und naturheilkundliche Mittel sowie ein angepasster Lebensstil mit mehr Bewegung, ausgewogener Ernährung und gezieltem Stressabbau.

Bei leicht erhöhten oder hochnormalen Werten kann oft schon mit sanften Maßnahmen viel bewirkt werden, während ausgeprägter Bluthochdruck in der Regel ärztlich begleitet und medikamentös eingestellt wird. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Möglichkeiten es bei hohem und bei niedrigem Blutdruck gibt, wie schulmedizinische und natürliche Ansätze zusammenspielen und was Sie selbst im Alltag tun können – verständlich erklärt vom Homviora Ärzteteam.

Überblick Blutdruckstörungsarten

Hoher Blutdruck
Der hohe Blutdruck kann riskant für die Gesundheit sein. Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle können die Folge sein, wenn ein dauerhaft hoher Blutdruck nicht behandelt wird. Informieren Sie sich hier über den Bluthochdruck.
Hoher Blutdruck
Über den niedrigen Blutdruck
Der niedrige Blutdruck wird vor allem dann zum Problem, wenn Symptome wie Schwindel auftreten. Dieser kann bis zur Ohnmacht führen. Aber auch mildere Symptome beeinflussen Ihre Lebensqualität eventuell negativ, so dass eine Behandlung sinnvoll sein kann.
Niedriger Blutdruck
Blutdruckschwankungen
Sie stellen Symptome eines niedrigen oder hohen Blutdrucks fest – diese treten aber nur temporär bei Ihnen auf? Dies kann ein schwankender Blutdruck sein.
Blutdruck­schwankungen

Medikamente gegen Bluthochdruck

Meist werden chemisch-synthetische Arzneimittel zur Therapie von Blutdruckstörungen eingesetzt. Die Wahl des Medikamentes hängt von vielen Faktoren ab, die gemeinsam mit einem Arzt besprochen werden müssen. Welche Gruppen von Blutdruckmedikamenten derzeit zum Einsatz kommen, wie sie wirken und welche Nebenwirkungen auftreten können, wird hier erklärt.
Medikamente gegen den Bluthochdruck

Chemisch-synthetische Blutdrucksenker

Im Folgenden stellen wir Medikamente gegen den hohen Blutdruck vor. Erfahren Sie mehr über deren Wirkungsweise, ihre Eigenschaften und ihre Nebenwirkungen. Als Ergänzung zur Behandlung mit Medikamenten sollten Sie sich auch mit den natürlichen Mitteln gegen Bluthochdruck vertraut machen. Unter Umständen kann auf diese Weise die Medikamentendosis verringert werden, aber das nur nach Absprache und unter Anleitung Ihres Arztes.

Beta-Blocker

Beta-Blocker verhindern die Wirkung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin an ihren Rezeptoren, an den Gefäßen und besonders am Herzen. An diesen Aufnahmezellen wirken die Stresshormone und treiben den Blutdruck in die Höhe. Durch die Betablocker wird die Aufnahme dieser Stoffe verhindert und so der Blutdruckanstieg. Zu den möglichen Nebenwirkungen der Beta-Blocker zählen: Verlangsamter Herzschlag, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, bei Diabetikern erhöhte Gefahr eines Unterzuckers, selten Hautausschläge, Verschlechterung einer Herzschwäche, Durchblutungsstörungen, Reizleitungsstörungen und Störung der Atemfunktion.

Diuretika

Diuretika, auch Entwässerungstabletten genannt, wirken entwässernd und vermindern das Blutvolumen, das das Herz durch den Körper pumpen muss. Sie bewirken eine Entlastung des Herzens und so sinkt auch der Blutdruck. Diuretika werden häufig mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln kombiniert. Zu den möglichen Nebenwirkungen der Diuretika zählen: Veränderung der Elektrolyte wie z.B. Kalium, Magnesium, Fettstoffwechselstörungen, Störungen des Salzhaushaltes mit Schwäche, Schwindel, Schläfrigkeit und Verwirrtheitszuständen.

Calciumantagonisten

Calciumantagonisten, die auch Calciumkanalblocker genannt werden, blockieren den Einstrom von Calcium in die Muskelzellen der Blutgefäße und bewirken so, dass sich die Blutgefäße weitstellen. Unter den Calciumantagonisten gibt es einige, die die Herzfrequenz senken und daher bei niedrigem Puls und Herzschwäche nicht zu empfehlen sind. Zu den möglichen Nebenwirkungen dieser Medikamente zählen: Anfallsweise Hautrötung, Kopfschmerzen, Wasseransammlung im Körper, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, starker Blutdruckanfall, Angina–Pectoris-Beschwerden oder Rhythmusstörungen durch verlangsamten Herzschlag.

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer senken den Blutdruck, indem sie ein Enzym hemmen, das entscheidend an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt ist. Dieses Enzym bewirkt eine Verengung der Blutgefäße. Obwohl ACE-Hemmer auch langfristig gut vertragen werden, können sie einen Reizhusten hervorrufen, der nicht selten zu einem Abbrechen der Therapie führt. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen: Trockener Husten, Geschmacksstörungen, Hautreaktionen, selten Blutbildveränderungen oder auch Leberfunktionsstörungen.

Angiotensin-2-Blocker

Angiotensin-2-Blocker, auch Sartane genannt, setzen am selben Regelkreis an wie ACE-Hemmer, jedoch an anderer Stelle: Sie blockieren die Rezeptoren des gefäßverengenden Hormons Angiotensin II, wodurch sich die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Sie werden häufig dann eingesetzt, wenn ACE-Hemmer wegen des typischen Reizhustens nicht vertragen werden, und gelten insgesamt als gut verträglich. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen: Schwindel, ein Anstieg des Kaliumspiegels, selten Schwellungen (Angioödem) sowie Beeinträchtigungen der Nierenfunktion. In der Schwangerschaft dürfen Sartane nicht angewendet werden.
Im Folgenden stellen wir Medikamente gegen den hohen Blutdruck vor. Erfahren Sie mehr über deren Wirkungsweise, ihre Eigenschaften und ihre Nebenwirkungen. Als Ergänzung zur Behandlung mit Medikamenten sollten Sie sich auch mit den natürlichen Mitteln gegen Bluthochdruck vertraut machen. Unter Umständen kann auf diese Weise die Medikamentendosis verringert werden, aber das nur nach Absprache und unter Anleitung Ihres Arztes.

Medikamente gegen niedrigen Blutdruck

Bei einem niedrigen Blutdruck besteht nicht immer der Bedarf einer medikamentösen Behandlung. Vor allem kommt es darauf an, wie ausgeprägt die Symptome wie Schwindel und andere bei Ihnen auftreten. Wichtig ist vor allem die Suche nach einer eventuellen Ursache, denn oft können auch andere Auslöser oder andere Medikamente (z.B. Diuretika oder Psychopharmaka) hinter einem niedrigen Blutdruck stecken. Zur Abklärung sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Alternativ oder ergänzend kommen auch natürliche Mittel oder pflanzliche Medikamente für die erfolgreiche Behandlung oder Vorbeugung in Frage.
Medikamente gegen den niedrigen Blutdruck

Folgende Wirkstoffe werden oftmals zur Behandlung eines niedrigen Blutdrucks eingesetzt

Dihydroergotamin

Dieser Wirkstoff hat einen hemmenden Einfluss auf neuronale Rezeptoren. Er wird bei hypotonen Kreislaufstörungen eingesetzt.

Sympathomimetika

Diese Wirkstoffe haben einen stimulierenden Effekt auf das vegetative Nervensystem. Dadurch kommt es zu einer Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks.

Mineralokortikoide

Durch diese Wirkstoffgruppe wird vermehrt Natrium im Körper einbehalten und im Gegenzug die Ausscheidung von Kalium erhöht. Durch das vermehrte Natrium kommt es zu einer Steigerung des Blutdrucks.

Natürliche Mittel gegen Blutdruckstörungen

Natürliche Mittel gegen niedrigen Blutdruck
Der niedrige Blutdruck wird dann behandlungsbedürftig, wenn Symptome störend werden. Sobald Schwindel auftritt, der auch zur Ohnmacht führen kann oder wenn Müdigkeit, Verstimmungszustände oder auch mangelnde Leistungsfähigkeit zum Problem werden, ist es an der Zeit für eine Behandlung. Das gilt auch, falls der Blutdruck wiederholt für kurze Zeit sinkt. Natürliche Wege, um wieder in Schwung zu kommen und das Leben zu genießen, bestehen dabei in einer veränderten Ernährung, in angemessener Bewegung und weiteren einfachen Maßnahmen. Stimmen Sie sich mit Ihrem Arzt ab und vergessen Sie regelmäßige Blutdruckmessungen nicht.
Hausmittel bei zu niedrigem Blutdruck
Natürliche Mittel gegen hohen Blutdruck
Der hohe Blutdruck stellt eine Gefährdung für die Gesundheit dar. Gefäße und Organe können Schaden nehmen – langfristig kann es zu Erkrankungen, wie Herzinfarkten, Nierenschädigungen oder weiteren Folgeerkrankungen kommen. Wer einen zu hohen Blutdruck hat, sollte zum Arzt gehen, den Blutdruck regelmäßig messen und eine geeignete Behandlung mit dem Arzt abstimmen. Menschen in höherem Alter haben oftmals einen Bluthochdruck. Ernährung, Bewegung und bestimmte Lebensmittel unterstützen Sie bei der Erhaltung Ihrer Lebensfreude und Ihrer Lebensqualität trotz Bluthochdrucks.
Hausmittel gegen hohen Blutdruck

Pflanzliche Mittel und Homöopathie

Neben den natürlichen Mitteln ohne den Einsatz von Medikamenten setzen immer mehr Menschen auf pflanzliche Arzneimittel oder Homöopathie bei hohem Blutdruck, bei niedrigem Blutdruck oder auch bei Blutdruckstörungen. Aufgrund der guten Verträglichkeit und des günstigen Nebenwirkungsprofils sind natürliche Arzneimittel eine gute Alternative zu anderen Präparaten. Es gibt dabei homöopathische Kombinationsarzneimittel, die aus unterschiedlichen pflanzlichen bzw. natürlichen Stoffen zusammengesetzt sind und sich zur Senkung des Bluthochdrucks gut eignen.

Welche pflanzliche Mittel gegen Bluthochdruck es gibt, zeigt dieser Beitrag.

Pflanzliche Mittel und Homöopathie

Homöopatisch und natürlich gegen hohen Blutdruck

Die folgenden Heilpflanzen können gegen erhöhten Blutdruck eingesetzt werden:

Indianerhanf (Apocynum)

Indianerhanf (Apocynum) ist ein natürliches Mittel zur Blutdrucksenkung und hilft beim Entwässern.

Arnika (Arnica)

Arnika (Arnica) gehört zu den traditionell genutzten Pflanzen der Naturheilkunde und wird unter anderem im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Beschwerden eingese

Weißdorn (Crataegus)

Der Weißdorn wird in der Naturheilkunde bei Bluthochdruck, Herzschwäche, Schwindel, leichten Herzbeklemmungen und Herzklopfen sowie unregelmäßigem Puls eingesetzt.

Mistel (Viscum album)

Die Mistel gehört zu den naturheilkundlich genutzten Pflanzen bei erhöhtem Blutdruck.

Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus)

Die Pflanze enthält biogene Amine (vom sog. Tyramintyp), die sich günstig auf die Herzaktivität auswirken können.

Schlangenwurzel (Rauwolfia)

Das Hauptalkaloid der Schlangenwurzel ist das Reserpin. Entscheidend ist dabei der Unterschied in der Zubereitung: Während isoliertes Reserpin in hoher Dosierung stark wirkt, kommt die Schlangenwurzel in naturheilkundlicher Anwendung in stark verdünnter Form zum Einsatz.

Reserpin in der Schlangenwurzel

Die im Reserpin enthaltenen Pflanzenstoffe (Alkaloide) hemmen die Wiederaufnahme des Nervenbotenstoffs Noradrenalin in den Nervenenden und führen zu dessen Verarmung. Dies trägt zur Senkung des Blutdrucks bei.

Was tun bei Blutdruckstörungen?

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Natürliche Mittel bei niedrigem Blutdruck

Zur Unterstützung bei niedrigem Blutdruck stehen in der Naturheilkunde verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, etwa Campher oder Ginkgo-Blätter-Extrakt. Campher kann zur Stabilisierung des Kreislaufs beitragen. Substanzen wie Rosmarin werden traditionell zur Anregung der Herztätigkeit eingesetzt, wodurch der Blutdruck gesteigert werden kann. Ginseng wirkt auf das zentrale Nervensystem und wird vor allem bei Müdigkeit verwendet. Welche natürlichen Mittel im Einzelfall sinnvoll sind, sollte mit einem erfahrenen Arzt geklärt werden. Von einer Selbstmedikation ohne fachkundige Beratung ist in jedem Fall abzuraten.
Zur Abklärung eines niedrigen oder eines hohen Blutdrucks und der richtigen Behandlung sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden. Hinter dem hohen Blutdruck oder niedrigem Blutdruck kann sich eine andere Grunderkrankung verstecken, die ausgeschlossen werden sollte. Eine falsche Medikation bringt ebenfalls Risiken mit sich. Sprechen Sie mit einem erfahrenen Arzt, um zu klären, welche Behandlung oder Medikation und Dosis für Sie richtig ist.

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Behandlung von Blutdruckstörungen

Sie haben Fragen? Hier finden Sie schon viele hilfreiche Antworten. Und sollten Sie darüber hinaus noch weitere Informationen wünschen, dann nehmen Sie gerne persönlich zu uns Kontakt auf.
Weißdorn (Crataegus): Weißdorn wird häufig bei Herz-Kreislauf-Beschwerden eingesetzt. Er stärkt das Herz und kann den Blutdruck regulieren. Die Schlangenwurzel (Rauwolfia serpentina) ist bekannt für ihre blutdrucksenkenden Eigenschaften. Der Wirkstoff Reserpin, der in der Schlangenwurzel enthalten ist, wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem und führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Dies bewirkt eine Senkung des Blutdrucks, indem der Widerstand in den Gefäßen reduziert wird.

Mehr Informationen zu pflanzlichen Blutdruckmedikamenten
Quellen
  1. World Health Organization : . .
  2. . New England Journal of Medicine ;373:2103-2116.
  3. . The Lancet ;387:957-967.
  4. European Society of Hypertension : . .
  5. Bundesärztekammer (BÄK), KBV, AWMF : . .
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