Fachautor Dr. med. Felizian Kühbeck
Arzt, Medizin- und Pharmakologieexperte
Die zuverlässigste Methode ist nach wie vor die Messung am Oberarm in Ruhe – in der Arztpraxis klassisch mit Manschette und Stethoskop (nach Riva-Rocci), zuhause mit einem geprüften automatischen Gerät. Eine einzelne Messung reicht jedoch nie für die Diagnose „Bluthochdruck": Sie liefert nur eine Momentaufnahme und muss durch mehrere Messungen, eine 24-Stunden-Messung oder regelmäßige Selbstmessungen bestätigt werden.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie die ärztliche und die manuelle Blutdruckmessung ablaufen, wie verlässlich eine einzelne Kontrolle in der Hausarztpraxis wirklich ist, was die 24-Stunden-Messung leistet und wie Ihnen das Messen zuhause zuverlässig gelingt – inklusive der Frage, ob Sie im Sitzen oder Liegen messen sollten und worauf es bei der Dokumentation Ihrer Werte ankommt.
Die ärztliche Blutdruckmessung
In der Arztpraxis stellt das Messen des Blutdrucks oft eine der ersten Maßnahmen dar. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sagt der Blutdruck viel drüber aus, wie es uns im Moment geht: ein sehr niedriger Blutdruck mit einem hohen Puls kann auf eine schwere Erkrankung hindeuten, auch ein sehr hoher Blutdruck sollte weitere Untersuchungen nach sich ziehen. Zudem kann ein anhaltender Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) verschiedene Krankheiten nach sich ziehen, darunter zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen oder Erkrankungen der Blutgefäße der Netzhaut.
Daher sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden. Wie oft eine Blutdruckkontrolle erforderlich ist, hängt von der Höhe der gemessenen Blutdruckwerte, dem Alter und den Begleiterkrankungen ab. Mehr dazu finden Sie unter Wie oft sollte man den Blutdruck messen?
Diese Messungen können in einer Arztpraxis oder in einigen Apotheken, aber auch als Selbstmessungen mit einem eigenen Blutdruckmessgerät zuhause durchgeführt werden.
Während beim Messen des Blutdrucks zuhause in aller Regel automatisierte Geräte zum Einsatz kommen, messen die meisten Ärzte den Blutdruck immer noch mit dem Stethoskop und einer manuell aufpumpbaren Manschette mit Druckmesser. Diese Messung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem italienischen Arzt Riva-Rocci entwickelt und durch den russischen Arzt Nikolai Sergejewitsch Korotkow perfektioniert.
Beide haben sich namentlich in der heutigen Blutdruckmessung verewigt: die Abkürzung für den Blutdruck ist RR („Riva-Rocci”) und die Geräusche, die man bei der manuellen Blutdruckmessung hört, nennt man Korotkow-Geräusche.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Blutdruck richtig zuhause messen
Damit Ihre Werte aussagekräftig sind, kommt es weniger auf das Gerät als auf die richtige Durchführung an. Schon kleine Fehler – ein nicht abgestützter Arm, Reden während der Messung oder eine zu kleine Manschette – können die Werte deutlich verfälschen. Wenn Sie die folgenden Schritte beachten, erhalten Sie zuverlässige und vergleichbare Ergebnisse:
Setzen Sie sich vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhig hin. Messen Sie nicht direkt nach körperlicher Anstrengung, Aufregung, Kaffee oder einer Zigarette – all das treibt den Blutdruck kurzfristig in die Höhe. Auch eine volle Blase kann die Werte beeinflussen.
Setzen Sie sich aufrecht hin, mit dem Rücken angelehnt, beide Füße flach auf dem Boden, die Beine nicht überkreuzt. Die Standard-Grenzwerte sind auf das Messen im Sitzen genormt – nur so sind Ihre Werte gut vergleichbar.
Legen Sie die Manschette am unbekleideten Oberarm an, etwa zwei bis drei Zentimeter oberhalb der Ellenbeuge. Sie sollte eng anliegen, aber nicht einschnüren – ein Finger sollte noch darunterpassen. Achten Sie auf die zu Ihrem Armumfang passende Manschettengröße; eine falsche Größe ist eine der häufigsten Fehlerquellen.
Legen Sie den Arm locker auf einen Tisch, sodass sich die Manschette etwa auf Höhe des Herzens befindet. Ein zu tief oder zu hoch gehaltener Arm verfälscht das Ergebnis. Stützen Sie den Arm ab, anstatt ihn aktiv zu halten.
Starten Sie die Messung und bleiben Sie dabei entspannt sitzen. Sprechen Sie nicht und bewegen Sie sich nicht, während das Gerät misst – beides kann die Werte nach oben verzerren.
Warten Sie ein bis zwei Minuten und messen Sie ein zweites Mal. Da eine Einzelmessung immer nur eine Momentaufnahme ist, gibt der Durchschnitt mehrerer Messungen ein verlässlicheres Bild.
Tragen Sie beide Blutdruckwerte und den Puls samt Datum und Uhrzeit in ein Blutdrucktagebuch ein. Vermerken Sie Besonderheiten – etwa vorherige Aufregung, ein anderes Gerät oder Beschwerden wie Schwindel. Diese Aufzeichnungen helfen Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, den Verlauf richtig einzuordnen.
Wichtig: Eine einzelne erhöhte Messung bedeutet noch keinen Bluthochdruck. Für eine Diagnose sind mehrere Messungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, eine 24-Stunden-Messung oder regelmäßige Selbstmessungen nötig – die Beurteilung gehört in ärztliche Hand.
Ablauf der manuellen Blutdruckmessung
Bei der Messung mit Manschette und Stethoskop wird die Manschette am Oberarm angelegt und so weit aufgepumpt, bis kein Strömungsgeräusch mehr hörbar ist. Beim langsamen Ablassen des Drucks tritt ein klopfendes „Korotkow-Geräusch" auf: Sein Einsetzen markiert den systolischen, sein Verschwinden den diastolischen Wert.
Anders als automatisierte Geräte, die diese Werte nur berechnen, ist die Messung nach Riva-Rocci die einzige nicht-invasive Methode, den Blutdruck direkt zu messen.
Blutdruckkontrolle in der Hausarztpraxis: wie verlässlich sind die Werte?
Am häufigsten wird der Blutdruck in der Hausarztpraxis kontrolliert – meist als einmalige Messung zur ersten Einschätzung. Wie verlässlich diese Werte sind, hängt entscheidend von der Durchführung ab.
Korrekt gemessen – nach mindestens fünf Minuten Ruhe, mit dem Arm auf Herzhöhe und passender Manschettengröße – liefert sie einen guten Anhaltspunkt, ob der Blutdruck normal oder zu hoch ist. Für eine Diagnose reicht eine Einzelmessung jedoch nicht aus: Ein Verdacht auf Bluthochdruck muss durch weiterführende Messungen bestätigt werden.
Dazu eignen sich mindestens drei aufeinanderfolgende Messungen in der Praxis, eine 24-Stunden-Messung oder das Messen zuhause. Wie Sie die Werte interpretieren, lesen Sie unter Blutdruckwerte.
Die 24-Stunden-Blutdruckmessung
Bei der Auswertung wird der Verlauf der Blutdruckwerte im Tages- und Nachtverlauf ausgegeben. Bei gesunden Menschen liegen die Werte tagsüber im Durchschnitt unter 135/85 mmHg und sinken in der Nacht auf durchschnittlich auf unter 120/70 mmHg. Neben erhöhten Blutdruckwerten am Tag kann auch eine fehlende Absenkung der Werte in der Nacht auf Erkrankungen der Gefäße hindeuten. Außerdem kann der Verlauf der Blutdruckwerte auch für eine mögliche Therapie von Bedeutung sein - zum Beispiel für die Frage, zu welcher Tageszeit Blutdruckmedikamente eingenommen werden sollten.
Welche Vorbereitungen sollte man vor der Blutdruckmessung treffen?
Die - zumindest in Sachen Vorbereitung - unkomplizierteste Form der Blutdruckmessung ist die 24-Stunden-Blutdruckmessung. Hierbei sind keine besonderen Vorbereitungen erforderlich, man sollte lediglich den Arm nicht mehr bewegen, wenn man merkt, dass die Manschette sich aufpumpt.
Bei der Messung mit Oberarm- oder Handgelenk-Messgeräten sieht die Sache schon etwas komplizierter aus. Hierbei sollte man vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhen und am besten nicht messen, nachdem man sich gerade aufgeregt hat oder drei Stockwerke hochgehechtet ist. Oft wird auch empfohlen, im Abstand weniger Minuten zweimal zu messen, um die Ungenauigkeit einer Einzelmessung zu reduzieren.
Wie häufig sinnvoll ist, lesen Sie unter wie oft man den Blutdruck messen sollte.
Blutdruck im Sitzen oder Liegen messen?
Oft sind die Blutdruckwerte im Liegen denen im Sitzen sehr ähnlich. Wichtig ist dabei nur, dass man die Position nicht direkt vor der Blutdruckmessung ändert, da in den ersten Sekunden nach dem Wechsel vom Liegen zum Stehen oder anders herum erst einmal eine Anpassung des Herz-Kreislauf-Systems stattfindet. Normalerweise geht diese Anpassung so schnell, dass wir davon nicht viel mitbekommen. Es gibt aber auch Menschen, bei denen die Umstellung auf die andere Körperposition länger dauert, sodass es zum Beispiel kurz zu einem spürbaren Blutdruckabfall mit schwarz vor Augen werden kommen kann. Daher kann es bei solchen oder ähnlichen Beschwerden besonders wichtig sein, den Blutdruck in verschiedenen Körperpositionen (Sitzen, Liegen, Stehen, ...) zu messen und eben nicht nur in der klassischen Sitzposition.
Auch beim Messen von Blutdruck in anderen Körperpositionen sollte man auf ein paar Dinge achten, um zuverlässige Messwerte zu erhalten. Wie beim Messen im Sitzen sollte sich der Oberarm auf Herzhöhe befinden - dazu kann man beim Messen im Liegen beispielsweise ein Kissen unter den Arm legen. Zudem sollte - wie auch beim Messen im Sitzen - die richtige Manschettengröße sowie ein zuverlässiges Blutdruckmessgerät gewählt werden. Worauf Sie in Bezug auf die Messgeräte im speziellen achten sollten, können Sie nachlesen unter Blutdruckmessgeräte - worauf kommt es an?
Warum gibt es zwei Blutdruckwerte?
Wenn man ein Stethoskop auf das Herz legt, hört man zwei Schläge - am Handgelenk tastet man in der gleichen Zeit aber nur einen Pulsschlag. Das liegt daran, dass während eines Pulsschlages zwei Herzaktionen stattfinden:
- Systole (synchron mit dem spürbaren Pulsschlag am Handgelenk): Das Herz zieht sich zusammen und pumpt Blut in die Lunge sowie über die Arterien zu den anderen Organen im Körper. Der Druck in den Arterien steigt auf sein Maximum an.
- Diastole (zwischen zwei Pulsschlägen): Die Herzkammern weiten sich und Blut strömt ein, das in der nächsten Systole wieder in den Lungen- und Körperkreislauf gepumpt werden kann. Die Arterien halten einen Mindestdruck aufrecht, um die Versorgung der Organe zu gewährleisten
Daher wird der Blutdruck immer als Kombination zweier Zahlen, z.B. „120 zu 80” (oft geschrieben als 120/80 mmHg) angegeben.
Was tun bei Blutdruckstörungen?
Blutdruck in Balance mit Homviotensin®
- Wirkstoffe auf pflanzlicher Basis
- Blutdruck regulierend
- Gut verträglich
Dokumentation
Möglich sind Tabellen oder Raster, die man im Internet finden oder manchmal auch ausgedruckt in der (Hausarzt-)Praxis erhalten kann. In diese Tabellen kann man die beiden gemessenen Blutdruckwerte und den Puls eintragen. Zudem sollte man notieren, wenn es im Zusammenhang mit der Messung besondere Vorkommnisse gab - zum Beispiel, wenn man sich vor der Messung angestrengt oder aufgeregt hatte, ein anderes Blutdruckmessgerät als sonst verwendet wurde oder man Beschwerden hatte, die möglicherweise mit Blutdruckschwankungen zu tun haben könnten (zu möglichen Symptomen zählen hierbei Schwindel, Kopfschmerzen, Nasenbluten, innere Unruhe oder Rastlosigkeit). Wenn man den Blutdruck zwischenzeitlich in einer anderen Körperposition misst (zum Beispiel im Liegen statt im Sitzen), sollte man dies ebenfalls vermerken.
Bringen Sie diese Aufzeichnungen auch zu Ihren Arztterminen mit, damit Ihr behandelnder Arzt einen Überblick über Ihren Blutdruck erhält.
Quellen
- Stergiou GS, Palatini P, Parati G, et al. 2021 European Society of Hypertension practice guidelines for office and out-of-office blood pressure measurement . Journal of Hypertension 2021;39(7):1293-1302.
- Parati G, Stergiou GS, Bilo G, et al. Home blood pressure monitoring: methodology, clinical relevance and practical application – a 2021 position paper by the Working Group on Blood Pressure Monitoring and Cardiovascular Variability of the European Society of Hypertension . Journal of Hypertension 2021;39(9):1742-1767.
- European Society of Hypertension (ESH) : 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension . 2023.
- Bundesärztekammer (BÄK), KBV, AWMF : Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Langfassung . 2023.
- Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® : Patientenleitfaden Bluthochdruck (2024) – Korrekte Blutdruckmessung . 2024.


